Silvia Zucker von der Alkoholund Suchtberatung des Bezirks Meilen präsentiert im Büro der Fachstelle ein Kartenset. Im Postkartenformat wird auf eine besondere Thematik aufmerksam gemacht, den Alkoholkonsum im Alter. «Wir haben fünf Leitsätze erarbeitet, diese grafisch umgesetzt und mit erläuternden Kommentaren versehen», erklärt Zucker.
Ein Leitsatz lautet: «Ich trinke alkoholische Getränke nur, wenn es mir gut geht.» Wer Trauer oder Angst empfindet, bedrückt ist, sollte demnach auf Alko-hol verzichten. «Im Alter fällt es oft besonders schwer, Schicksalsschläge zu verarbeiten», weiss Zucker. Andere Karten weisen darauf hin, dass sich speziell im Alter Medikamente und Alkohol schlecht vertragen, dass jeder selbst entscheiden muss, ob und wie viel Alkohol er trinken will oder ob bei gesunder Lebensführung ein moderater Konsum durchaus möglich ist.
Die Kartensets werden nun in allen elf Gemeinden des Bezirks an Ärzte, Spitex-Organisationen, Kirchen, Sozialbehörden, Altersheime und Institutionen für Altersarbeit versandt und dort aufgelegt, mit dem Hinweis auf die Dienstleistungen, welche die Alkoholund Suchtberatung Bezirk Meilen anbietet.
Kein Platz für Romantik
Als zweite Institution beteiligt sich Samowar, die Suchtprävention des Bezirks Meilen, an der Kampagne. Suchtberater Enrico Zoppelli zeigt auf den Namensgeber der Fachstelle, einen der Wasserkocher, mit denen seit Menschengedenken von Russland bis Afghanistan Tee gekocht wird. Die Teemaschine ist ein Erinnerungsstück an die 80er-Jahre, als im Bezirk einzig die Jugendberatung Anlaufstelle für Leute war, denen Suchtprobleme zu schaffen machten. Der Samowar habe damals «Teestübli-Stimmung» aufkommen lassen, sagt Zoppelli.
Die «Teestübli-Romantik» ist längst nüchternen Zahlen gewichen. Alkoholprobleme werden heutzutage statistisch erfasst. So verzeichnete die Alkoholund Suchtberatung des Bezirks Meilen im letzten Jahr 139 sogenannte Abschlüsse. Das heisst, 139 Menschen beendeten eine Therapie erfolgreich, lösten die Probleme aus eigener Kraft oder blieben den Beratungsgesprächen fern, was offenlässt, ob sie sich Abstinenz auferlegt haben. «Jeder Vierte, der austrat, war 55 oder mehr Jahre alt», sagt Zucker. Das ist überdurchschnittlich viel erklärbar durch die stetige Zunahme von älteren Leuten, die sich in der Region niederlassen. Den 139 Abmeldungen standen 94 Neuanmeldungen gegenüber. Das sind 33 weniger als 2010.
Gute Aussichten auf Heilung
Für Früherkennung und Frühintervention ist es im Seniorenalter zu spät, erklärt Zoppelli. «Gerade ältere Menschen lassen sich aber gerne beraten. Die Chancen, ihnen zu helfen, sind gross.» Auf die Möglichkeit der Beratung machen nun die verteilten Karten aufmerksam. Diese sollen ebenso den Einstieg ins Gespräch über ein heikles Thema erleichtern. Das Set kommt ohne Drohfinger aus, beinhaltet dafür eine Prise Humor. Hinter den Karten steht die Haltung, dass Menschen gesund bleiben, weil sie ihr Leben zu gestalten wissen. Mit dazu gehört der vernünftige Umgang mit alkoholischen Getränken. Einige ältere Menschen riskieren mit dem Alkoholkonsum aber zu viel. Für sie haben die Alkoholund Suchtberatung und Samowar des Bezirks Meilen ein offenes Ohr.
