Zürisee Unihockey hat seine Saison in einem Herzschlagfinale mit einem 8:7Sieg über Langenthal-Aarwangen gekürt: Der Klassenerhalt in der NLB, der zweithöchsten nationalen Liga, war damit nach dem letztjährigen Aufstieg perfekt. Das Team ist einer von vielen Vereinen in der Region Zürichsee, die regelmässig für sportliche Highlights sorgen.
Doch es ist nicht primär der Leistungs-, sondern vielmehr der Breitensport, der für die Gemeinden wichtig ist: Er garantiert ein vielseitiges Freizeitangebot direkt vor der eigenen Haustüre, das jedem offensteht. So erfüllen die Sportvereine wichtige Aufgaben für die Integration, die Gesundheit und das Gemeinwohl.
Der Zürcher Kantonalverband für Sport (ZKS) und die kantonale Fachstelle für Sport haben von einer schweizweit angelegten Studie die Resultate der 842 im Kanton Zürich befragten Vereine ausgewertet. Eines der Ergebnisse: Die Mitgliederzahlen wachsen, das Klubleben boomt.
Gemeinden fördern nach Kräften
Die Gemeinden sind laut ZKS die «Sportförderer Nr. 1». Sie stellen nicht nur die nötige Infrastruktur günstig oder gratis zur Verfügung. Einige Seegemeinden fördern den Jugendsport gezielt und zahlen ihren Sportvereinen jährlich eine Pauschale pro jugendlichem Mitglied. Die Unterschiede sind dabei beträchtlich: Stäfa nimmt mit 200 Franken pro Person die Spitzenposition ein. Es fliessen so jährlich zwischen 200000 und 250000 Franken an rund 1125 Kinder und Jugendliche. Es folgen Zumikon mit 150, Erlenbach mit 100, Uetikon und Herrliberg mit je 50 und Hombrechtikon mit 40 Franken pro Person.
Stäfa, Meilen und Zumikon legen die Kriterien für weitere Unterstützungsleistungen in Richtlinien, Verordnungen oder Jugendund Sportförderungskonzepten fest. Damit vereinheitlichen sie die Verfahren und schaffen Transparenz für die Vereine.
Neue Jugendund Vereinsförderungskonzepte sind derzeit in Meilen und Küsnacht in Arbeit. In einem ersten Schritt hat Küsnacht die Anliegen und Ideen ihrer Vereine in einem gemeinsamen Workshop eingeholt. Die Ergebnisse einer Online-Umfrage werden anschliessend die Grundlage für das neue Konzept zur Vereinsförderung bilden, das bis Ende Jahr stehen soll.
Anständig entschädigt?
Anders als Küsnacht oder Meilen verfügen viele Gemeinden nicht über die Mittel, um die Vereinsförderung breit abzustützen. Von allzu aufwändigen Projekten können Sportvereine in Gemeinden mit engem finanziellem Spielraum nur träumen. Der FC Oetwil kann seine Trainingsanlagen zwar gratis benutzen. Für den Bau der neuen Garderoben vor zwei Jahren war der Verein aber auf die ehrenamtliche Mitarbeit seiner Fussballer angewiesen. 200000 Franken fielen für den FC an Kosten an.
Während über 3000 Stunden Frondienst arbeiteten fachkundige Vereinsmitglieder 150000 Franken ab, indem sie beim Aufbau der Anlage Hand anlegten. Für den Verein sind solche Efforts existenziell wichtig. Präsident Toni Hofstetter sieht jedoch gerade in der ehrenamtlichen Tätigkeit eines der «Hauptprobleme»: Die Suche nach Trainern und Vorstandsmitgliedern, die unentgeltlich arbeiten, werde immer schwieriger. «Man sollte über eine angemessene finanzielle Entschädigung für Vorstand und Trainer nachdenken», sagt Hofstetter. Dies könne entweder über die Erhöhung der Mitgliederbeiträge oder mit einer von der Gemeinde finanzierten Kopfpauschale geschehen.
Auch der Präsident des FC Küsnacht (FCK), Heinz Gross, sieht hier dringenden Handlungsbedarf: «Ohne gute Leute in übergeordneten Funktionen können wir unseren sozialen Auftrag nicht erfüllen, auch Breitensport anzubieten.» Die ZKS-Studie bestätigt, dass die beiden Präsidenten mit ihren Sorgen nicht alleine dastehen. Rund 70 Prozent der Sportvereine im Kanton haben ernsthafte Probleme, genügend Vorstandsmitglieder, Trainer oder Schiedsrichter zu rekrutieren. Doch gerade der FCK hat zumindest für den jüngsten Nachwuchs ein Erfolgsmodell entdeckt.
Mehr Mitglieder und Freiwillige
In der Fussballschule des FCK trainieren rund 235 Kinder einmal pro Woche in einer der 18 Gruppen. Leiterin Monika Kamer konnte 40 Freiwillige, darunter vor allem Eltern der Junioren, als Trainer gewinnen: «Man muss als Leiterin die Freude an der Jugendarbeit vorleben, die Federführung übernehmen und den Eltern klare Strukturen anbieten, dann machen sie mit», sagt Kamer.
Es ist ein Modell, das Schule machen könnte, zumal es polysportiv ist: Die Kinder können in der Fussballschule nämlich nicht nur Fussball, sondern verschiedene Sportarten ausprobieren. Insofern profitieren auch andere Sportvereine aus der Umgebung. Und es zieht unter Umständen neue Mitglieder und freiwillige Helfer an.
Monika Kamer hält dabei die Zügel in der Hand. Doch nicht viele sind wie sie bereit, ein 60bis 80 Prozent-Pensum ehrenamtlich auszuüben.
