Am Sonntag ging in Serbien die EM mit der 19:21-Finalniederlage der Gastgeber gegen Dänemark zu Ende. Was ist Ihnen während des zweiwöchigen Turniers aufgefallen?
Markus Jud:
Die Anzahl erzielter Tore war extrem tief. Ein Grund dafür waren sicher die hohen Abwehrquoten der Torhüter. Zudem habe ich keinen einzigen Treffer nach einer schnellen Mitte gesehen. Das dürfte mit der hohen Intensität des Turniers zusammenhängen. Die Finalisten absolvierten innert 14 Tagen acht Partien. Weshalb sie möglichst kräfteschonend agierten.
Worin unterscheiden sich die Lakers Stäfa von Europameister Dänemark?
Wir arbeiten viel mehr mit Angriffsauslösungen. International setzt man mehr auf die individuelle Klasse des Angreifers in 1:1-Situationen. Wobei die Dänen eher noch den besser postierten Mitspieler suchen, während sich die entthronten Franzosen ganz einfach durchtanken.
Gibt es auch Gemeinsamkeiten?
Wie die Dänen praktizieren auch wir das schnelle Spiel nach vorne und setzen auf die Konterstärke unserer Flügelverteidiger. In der Defensive vertraue ich ebenfalls auf das 6:0-System.
Wie haben Sie den spielfreien Januar genutzt?
In der Verteidigung haben wir als zweite Variante am 3-2-1-System gefeilt. Vor allem aber haben wir hart an der Athletik gearbeitet. Wie die Testings zeigten, haben wir in der ganzen Breite des Kaders ein sehr gutes Level erreicht. Nach den intensiven Wochen fehlt den Spielern noch etwas die Frische, deshalb habe ich ihnen das Wochenende frei gegeben.
Der erste Ernstkampf im neuen Jahr ist der Cup-Viertelfinal am Mittwochabend in Aarau. Welche Bedeutung hat dieses Spiel für Sie?
Wir wollen uns unbedingt für das Final Four von Mitte April in Sursee qualifizieren. Der Fokus liegt ganz auf dieser Partie gegen Suhr Aarau. Das Meisterschaftsspiel vom Samstag gegen GC Amicitia war bisher kein Thema.
Könnte ein zusätzlicher Cup-Einsatz im Abstiegskampf nicht zur Belastung werden?
Mit unserem breiten Kader sollte diese Zusatzbelastung kein Problem sein. Ein solches Erlebnis setzt eher positive Energie frei.
Fünf Runden vor Ende der Qualifikation liegen die Lakers Stäfa bloss einen Zähler hinter dem sechstplatzierten St. Otmar St. Gallen. Dennoch dürfte eine Teilnahme an der Finalrunde kein Thema sein.
Wir wollten möglichst lange mit der Finalrunde liebäugeln können, was einem gewissen Abstand zu den Abstiegsplätzen gleichkommt. Unsere 16 Punkte sehen zwar komfortabel aus, sind aber bloss eine Momentaufnahme. Nach dem Spiel gegen GC Amicitia bekommen wir es noch mit vier Finalrunden-Teilnehmern zu tun. Wir müssen realistisch bleiben, mehr als vier Punkte dürften bei uns nicht mehr dazukommen. Der Tabellenvorletzte Fortitudo Gossau hat zwar erst acht Punkte auf dem Konto, trifft aber noch auf vier Teams, die unter dem Strich klassiert sind. Im Abstiegskampf wird es eng werden. Alle fünf Teams ausser Endingen dürften Chancen haben, das sichere Ufer also Platz eins oder zwei zu erreichen.
Ist es ein Nachteil, dass Stäfa die letzten vier Partien der Qualifikation allesamt unter der Woche auszutragen hat?
Nein, sogar eher ein Vorteil, weil wir dreimal zuhause antreten können. Es droht also keine durch eine lange Carfahrt hervorgerufene Müdigkeit. Im Testspiel vor einer Woche auswärts gegen Kadetten Schaffhausen waren einige Spieler nicht bereit, weil sie nach der Arbeit den Kopf nicht frei hatten. An solchen Tagen müssen sie den Job hintenanstellen.
Was braucht es, um trotz Ligareduktion die NLA-Zugehörigkeit zu wahren?
Um den Direktabstieg zu verhindern, sind wohl 24 bis 26 Punkte nötig. Um auch der Barrage zu entgehen, dürften drei oder vier Punkte mehr reichen. Die Breite und Ausgeglichenheit des Kaders spricht für uns. Verletzungen können wir besser abfedern als unsere direkten Konkurrenten.
