Unser Land ist eine Mountainbike-Hochburg: Die Schweiz führt die Nationenwertung in der Königsdisziplin, dem Crosscountry, mit deutlichem Vorsprung an und 6 der 15 besten Biker der Welt haben einen roten Pass. «Wenn du an Schweizer Meisterschaften aufs Podest fahren möchtest, muss du eine ?Weltklasse-Leistung? abrufen», bringt es Florian Vogel auf den Punkt. Dementsprechend hart wird auch der Kampf um die Tickets für die Olympischen Spiele werden. Denn trotz der hohen Leistungsdichte darf Swiss Cycling nur gerade drei Fahrer in die englische Metropole entsenden wobei mit Vizeweltmeister Nino Schurter ein Eidgenosse bereits vorselektioniert worden ist.
Um die verbleibenden zwei Startplätze dürften sich Florian Vogel (4. der Weltrangliste), Lukas Flückiger (9.), Thomas Litscher (12.), Christoph Sauser (13.) und der Riedner Fabian Giger (14.) balgen. Offiziell eröffnet wird der Kampf um die Olympia-Tickets am 18. März mit dem Weltcup-Rennen von Pietermaritzburg (Südafrika), zu Ende geht die Schweizer Selektionsphase dann am 20. Mai in La Bresse (Be), der vierten Weltcup-Station der Saison.
Noch eine Rechnung offen
«Ich weiss, dass ich das Potenzial habe, um mich für London zu qualifizieren. Aber es wäre überheblich, wenn ich davon ausgehen würde, dass ich die Selektion locker schaffe. Das kann keiner. Dafür ist die Konkurrenz in unserem Land einfach zu gross», sagt Vogel. Dennoch hofft der gebürtige Aargauer, der mit seiner Familie seit zweieinhalb Jahren in Rapperswil-Jona lebt, dass er zum zweiten Mal in seiner Karriere um Olympia-Medaillen kämpfen darf. Bereits vor vier Jahren qualifizierte sich der Fahrer des vom Feldbacher Thomas Frischknecht gemanagten Scott-Swisspower-Teams für die Sommerspiele. 2008 seinem bisher erfolgreichsten Jahr holte er WM-Silber und wurde Europasowie Schweizer Meister. Einzig in Peking lief es ihm nicht nach Wunsch. Vogel musste den hohen Temperaturen Tribut zollen und das Olympia-Rennen aufgeben.
Die Erfahrung, beim Saisonhöhepunkt nicht in Topform zu sein, möchte er nicht nochmals machen. Deshalb plant der 1,74 cm grosse und 65 kg leichte Biker zusammen mit seinem Trainer Bruno Diethelm die Saison so, dass er «die Körner nicht zu früh aufbraucht». Das ist eine Gratwanderung. Einerseits erfordert der aussergewöhnlich frühe Saisonstart und der Auftakt zu den Selektionsrennen, dass man schnell einmal auf Touren kommt, andererseits geht es erst im August um Olympia-Medaillen.
«Mit dem Rohbau fertig»
Seinen derzeitigen Formstand umschreibt Vogel so: «Wenn meine Topverfassung ein schlüsselfertiges Haus wäre, hätte ich aktuell den Rohbau fertig.» Wobei es zu erwähnen gilt, dass er um bei seinem Bild zu bleiben nicht bereits im März ins Haus einziehen möchte. «Es dürfte für jeden Fahrer schwierig werden, so lange auf einem Top-Level zu fahren. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, dass mein Formaufbau über das erste Weltcup-Rennen hinausgeht.» Am kommenden Dienstag wird Vogel (unter anderem mit seinem Teamkollegen Nino Schurter) für zwei Wochen nach Südafrika fliegen, um an der Wärme nochmals ein Trainingslager zu absolvieren. Bereits Anfang Dezember weilte er für zehn Tage im Land, in dem dieses Jahr die Weltcup-Saison lanciert wird.
Quer- und Langlaufrennen
In der Zeit zwischen den beiden Trainingslagern hat Vogel intensiv an der Grundlagenausdauer gearbeitet und dies nicht nur auf dem Mountainbike. Unter anderem kehrte der Quer-Schweizer-Meister von 2005 für sechs Rennen mit dem Rennvelo in den Morast zurück. Zudem startete Vogel am Wochenende am traditionellen Volkslanglauf «Planoiras» auf der Lenzerheide. Bei seinem Renndebüt auf den dünnen Latten, mit denen er seit vier Jahren Abwechslung ins Wintertraining bringt, reichte es ihm unter 300 Teilnehmern zum 32. Rang. Geschlagen wurde Vogel, der kurz vor dem Ziel zu Fall gekommen war, unter anderem von Schurter (28.). Trotzdem: «Es hat Spass gemacht. Das war sicher nicht mein letztes Langlaufrennen.»
