Online seit 7.01.2012 0:00
Ass für Herrliberg: Federer kommt
Medienrummel in Herrliberg: Gemeindepräsident Walter Wittmer zeigt einem Tele-Züri-Journalisten Federers neues Grundstück. Bild: Reto Schneider
Herrliberg. Roger Federer hat in Herrliberg Bauland der Deluxe-Klasse gekauft. Die knapp 6000 Quadratmeter gehörten früher einer Bauernfamilie. Über den Verkaufspreis wird spekuliert.
Anna Moser / Patrick Gut

Lange hatte er gesucht, jetzt ist Roger Federer fündig geworden: Der Tennisstar hat in Herrliberg ein Grundstück gekauft. Es ist stolze 5779 Quadratmeter gross und liegt an einer Lage, wie man sie an der Goldküste kaum noch findet: hoch über dem Dorf, mit unverbaubarer Seesicht, angrenzend an ein kleines Wäldchen und ohne neugierige Nachbarn im Rücken denn dort beginnt die Landwirtschaftszone.

Was Gemeindepräsident Walter Wittmer (parteilos) am Freitagnachmittag einem TV-Journalisten ins Mikrofon sagte, glaubt er wohl selber nicht ganz: «Vielleicht hat Herr Federer das Land nur zu Anlagezwecken gekauft.» Wahrscheinlicher ist indes, dass der 30-Jährige hier ein Anwesen mit Garten und Tennisplatz bauen lässt. Das Grundstück liegt in einer Wohnzone, in der ein Haus maximal 28 Meter lang und 6,5 Meter hoch sein darf. Erlaubt sind bis zu zwei Vollund zwei Dachgeschosse.

Steuererträge fliessen ab

Der Weltranglistendritte, der momentan in einer Terrassenwohnung in Wollerau SZ zuhause ist, hatte sich seit längerem am rechten Seeufer nach einer Liegenschaft mit Garten umgeschaut. Dieser dürfte insbesondere den zweieinhalbjährigen Zwillingsmädchen zugutekommen.

Noch Anfang Woche war gerüchteweise von einem neuen Domizil in Erlenbach die Rede gewesen. Dass die Wahl auf Herrliberg gefallen ist, wie «20 Minuten online» gestern enthüllt hat, freut den Gemeindepräsidenten, der seit Ende Dezember über den Deal informiert ist: «Ich freue mich natürlich, dass Roger Federer entdeckt hat, wie schön Herrliberg ist. Insbesondere wird er schätzen, dass berühmte Leute hier kaum Aufsehen erregen.» Damit spricht er SVP-Übervater Christoph Blocher an, der wenige hundert Meter entfernt eine Villa bewohnt und laut Wittmer im Dorf «ungestört spazieren gehen» kann. Besonders behandeln wolle man den prominenten Neuzuzüger denn auch nicht. Ihm nach einem grossen sportlichen Erfolg eine Feier auszurichten, ist hingegen für Wittmer durchaus vorstellbar. In finanzieller Hinsicht kann sich der Gemeindepräsident kaum die Hände reiben: «Was wir von einem Steuerzahler von Federers Grössenordnung erhalten, fliesst fast eins zu eins in den Finanzausgleich.»

Aus dem «Portokässeli»

Wie viele Millionen Federer in das Grundstück an der Laubhölzlistrasse gesteckt hat, kann nur geschätzt werden: Gemäss einem Bericht der Immobilienfirma Engel & Völkers von 2011 muss für einen Quadratmeter an «sehr guter» Goldküstenlage mindestens 4000 Franken hingeblättert werden. Auf knapp 6000 Quadratmeter hochgerechnet ergibt das 24 Millionen Franken.

Das Vermögen des Schweizer Tennisstars wird in der «Bilanz» auf 200 bis 300 Millionen Franken geschätzt. Verschiedenen Quellen ist zu entnehmen, dass er jährlich gut und gerne 40 Millionen Franken an Preisgeldern und Gagen aus Werbeverträgen verdient. Die Landparzelle hoch über Herrliberg hat Federer der Firma Pine Investments GmbH mit Sitz im schwyzerischen Schindellegi abgekauft. Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma ist der Herrliberger Peter Friedli.

Friedli ist kein unbeschriebenes Blatt. In der Presse wird er wahlweise als Risiko-Kapitalist oder Börsenstar bezeichnet. Seit Jahren taucht er in der «Bilanz» als einer der 300 reichsten Schweizer auf. Sein Vermögen wird jeweils mit 100 bis 200 Millionen Franken angegeben. Bekannt ist Friedli auch als Gründer und Chef der Beteiligungsgesellschaft New Venturetec (NVT). Zu ihren besten Zeiten war NVT ein Milliardenunternehmen mit einem Aktienkurs von über 250 Franken. Vor zwei Monaten aber war NVT an der Börse noch rund 10 Millionen Franken wert. In der Hochphase war auch die Zürcher Beamtenversicherungskasse (BVK) mit einer Beteiligung von 6,4 Prozent bei NVT eingestiegen. Inzwischen hat die BVK fast ihr ganzes Geld aus dieser Beteiligung verloren.

Falls es Peter Friedli im Geschäft noch nicht optimal laufen sollte, kann er sich immerhin damit trösten, dass Roger Federer nun sein direkter Nachbar in Herrliberg wird. Am Landdeal hat nicht nur die Pine Investments GmbH verdient, sondern auch die Nachkommen der Bauernfamilie Bickel, denen das Land kurz zuvor noch gehörte.

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