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Bodenpreise vergraulen die Wirte
Restaurants. Die Zahl der Gastro-Betriebe an der Goldküste ist rückläufig. Auch viele Traditionsbeizen sind in den letzten Jahren zugegangen. Wegen der hohen Landpreise haben es Wirte am Zürichsee besonders schwer.
Marco Huber

Einige Männedörfler Vereine müssen sich ab nächstem Frühling nach einem neuen Stammlokal umsehen. Das Restaurant Frohsinn geht per Ende März zu. Wirt Markus Brun hat nach zwölf Jahren genug. Er schaut sich nach etwas Neuem um. Die Zukunft des «Frohsinns» ist ungewiss. Der Kanton Zürich, dem das Restaurant gehört, wird in den nächsten Wochen entscheiden, ob er die Liegenschaft weiterhin als Restaurant nutzen will. Das Gebäude an der Bergstrasse ist in die Jahre gekommen und hätte einige Renovationen nötig.

Der «Frohsinn» ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren haben am rechten Zürichseeufer einige renommierte Gastronomiebetriebe den Laden dichtgemacht. Im vergangenen Juni ging das Wirtepaar des Landgasthofs Alpenblick in Pension. Damit verschwand ein bekanntes Gasthaus von der Landkarte. Für ein Essen im «Alpenblick» kamen Gäste sogar aus dem Ausland angereist. Für Fredy Bannwart liegen die Gründe für den Rückgang auf der Hand. «Bauland ist an der Goldküste oft sehr teuer. Daher werden gewöhnlich eher Wohnungen gebaut statt eines Restaurants», sagt der Präsident des Gastroverbandes des Bezirks Meilen. Er führt das «Rössli» in Herrliberg.

Neue Konkurrenz

Das alleine ist es aber nicht. Viele Bäckereien und Cafés bieten mittlerweile zusätzlich Mittagsmenüs an. Und auch die Migros betreibt ihre eigenen Restaurants. «Für die Wirte bedeutet das zusätzliche Konkurrenz», sagt Fredy Bannwart. Schuld sind laut ihm auch die diversen Hygienevorschriften und das Rauchverbot, welches 2008 eingeführt wurde. Deshalb aber gleich von einem «Restaurant-Sterben» zu sprechen, sei übertrieben, findet Ernst Bachmann, Präsident des Gastroverbandes des Kantons Zürich. «Man darf das Ganze nicht dramatisieren.» Der Gesamtumsatz der Branche sei jedenfalls nicht rückläufig. Für Bachmann ist jedoch klar: «Die Gemeinden leiden volkswirtschaftlich darunter.» Die rückläufige Entwicklung beobachtet Bachmann in allen ländlichen Gebieten und in der Agglomeration. In der Stadt Zürich hingegen hat die Zahl der Restaurants im Vergleich zu 1995 zugenommen. Aber auch dort wechselten die Pächter oft. Ernst Bachmann selber führt seit 44 Jahren ein Restaurant in Zürich.

Ging es einem Betrieb schlecht, so wurde in der Vergangenheit schon oft diskutiert, ob die Gemeinde das Lokal retten soll. In Herrliberg entbrannte diese Diskussion vor zehn Jahren, als die «Frohe Aussicht» dichtmachte. Und auch als 2004 die Meilemer «Luft» ihre Türen schloss, stand eine Übernahme durch die Behörde zur Debatte. Die Gemeinde Stäfa ist an der «Alten Krone», am «Frohberg» und an der «Villa Sunneschy» beteiligt. Die Gemeinde Uetikon besitzt die Mehrheit der Aktien der Sonnenhof AG. Fredy Bannwart findet: «Es ist nicht der Auftrag der Gemeinde, Restaurants zu retten, die nicht rentieren.» Aber wenn ein Lokal eines der letzten sei, in dem sich Vereine treffen, meint Bannwart, könnten die Behörden eine Ausnahme machen.

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